Stadt Stühlingen

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Stadtteil Eberfingen

Eberfingen wird in einer Urkunde des Klosters St. Gallen im Jahr 929 erstmals als „Eperolfvingga“ erwähnt. Der Name verweist auf den im Jahr 584 ermordeten Kämmerer „Eperulf“ des fränkischen Königs Chilparich.

Eberfingen

In Urkunden erscheint der Ort schließlich 1448 als Eberfingen. Im Bauernkrieg von 1524 wird als einer der Anführer „Hans Wirth von Eberfingen“ genannt.

Doch es gab in zurückliegender Zeit noch weitere Beweise für eine frühe Besiedelung Eberfingens, so z. B. eine Steinpflasterung der alten Römerstraße Hallau-Eberfingen-Mauchen. Nordöstlich bei der Kapelle fand man gemauerte Steinplattengräber, die neben Skeletten auch Waffen, Ton- und Bernsteinperlen enthielten. Westlich an der „Wolfshalde“ fand man ebenfalls Gräber. Im Gewann „Poche“ am rechten Wutachufer wurden 1956 bei Straßenbauarbeiten wertvolle frühgeschichtliche Funde gemacht. Und über der „Wolfhalde“, auf dem „Köpferplatz“ sollen einst Femegerichte abgehalten worden sein.

Seit 1501 bestand auf der Wutachsohle ein Eisenschmelzwerk. Nach gut einhundert wechselvollen Jahren im Betrieb beschlossen Abt Martin von St. Blasien, die Landgrafen von Sulz aus dem Klettgau und Reichserbmarschall Maximilian von Pappenheim, Landgraf zu Stühlingen am 26. Juli 1622 den gemeinsamen Ausbau und Betrieb des Eisenwerkes.
Für die Wahl dieses Platzes waren einmal entscheidend die zentrale Lage zwischen den drei Herrschaftsbereichen und dann die vorbeifließende Wutach, die das Wasser zum Waschen des Erzes und gleichzeitig die Energie für den Betrieb von Eisenhämmern lieferte und dazu noch als Verkehrsweg zum Flößen des Holzes für Holzkohle und des Bauholzes aus dem Schwarzwald diente. Da die Wälder in der näheren  Umgebung bereits abgeholzt waren, wurde mit Zustimmung St. Blasiens in den ausgedehnten Waldungen bei Gündelwangen Holz geschlagen. 1634 wurden dort Tiroler Holzfäller angesiedelt. Das fertige Rollenholz wurde von Flößern auf der Wutach bis zum Eisenwerk geflößt, in dem dann hauptsächlich Bohnerz aus dem Klettgau, später aus den Bereichen Schaffhausen und Engen verarbeitet wurde.

Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) wurden im Eisenwerk hauptsächlich Kanonenkugeln produziert. Da Eberfingen die Kriegswirren glimpflich überstand, viele andere Hammerschmieden am Hochrhein jedoch zerstört waren, entwickelte sich nun die eigentliche Blütezeit des Schmelzwerkes. Das Eisenhochofenwerk umfasste ein Gelände von 13 Hektar. Im Jahr 1683 bestanden Betriebsgebäude und Schmelzofen, eine große Schmiede, zwei Frischfeuer, ein Läuterfeuer, obere und untere Rennschmiede mit fünf Hämmern, Schlackenpoche, Schopf mit Werkstatt, vier Kohlhütten, Wohngebäude und Wirtschaftsanlagen sowie ein großes Laborantenhaus. Zusammen mit 46 Beschäftigten wohnten insgesamt 123 Menschen auf dem Werksgelände, die den Großteil ihres Lebensbedarfes aus werkseigenen Wirtschaftsbetrieben bezogen. Zu dieser Zeit wurde auch die „Eberfingische Bergmünze“ als lokales Zahlungsmittel geprägt.
Die Eisenproduktion steigerte sich von 2449 Zentner im Jahr 1649 auf 6210 Zentner im Jahr 1675. Über die gesamte Betriebsdauer des Eisenwerkes gesehen schätzt man einen Holzverbrauch von etwa fünf Millionen Raummetern (durchschnittlich 36.000 Raummeter/Jahr). Dennoch wurde der Betrieb zunehmend unwirtschaftlicher. Als um die Mitte des 18. Jahrhunderts das Holz im Schwarzwald ebenfalls knapp wurde, bedeutete dies schließlich das Aus: Im Jahr 1761 wurde der Betrieb des Hüttenwerks wegen Holzmangels eingestellt. Die Anlage wurde abgebrochen, das Gelände planiert und angepflanzt. Heute deuten hier im Gewann „Platzwiesen“ nur noch die geschwärzte Ackererde sowie Flurnamen wie „Schmelzeäcker“ oder „Poche“ auf den Standort des einst so umfangreichen Eisenwerkes in Eberfingen hin.

Seit 1734 steht unmittelbar beim Friedhof die im Wutachtal weithin sichtbare Kalvarienbergkapelle, weit bekannt als die Eberfinger Kapelle . Franz Joseph Wald-Furtner, der Sohn eines Laboranten des ehemaligen Eisenschmelzwerks in Eberfingen hat sie 1733/1734 erbauen lassen. Wald-Furtner, der sich in seiner Jugend als Hirtenbub verdingt haben soll, diente später als Offizier in der kaiserlichen Armee in Wien. Bei einem Heimaturlaub scheuten seine Pferde am „Eberfinger Stich“ und er sei, wie durch ein Wunder, bei dieser Sturzfahrt unverletzt geblieben. Das in Todesangst gegebene Gelübde, eine Kapelle zu bauen, wurde dann verwirklicht. 

Die drei Tannen, die ursprünglich auf dem Bauplatz standen, mussten weichen – und wurden später im Ortswappen verewigt.
Der Zugang zu dem eigenwilligen Bauwerk ist durch geschmiedetes Barockgitter gesichert und beherbergt die Kreuzigungsszene mit großen geschnitzten Figuren. In der Sandsteinplatte im Giebel des Gebäudes sind sowohl die Jahreszahl des Baus als auch die Buchstaben „FJWF“ für den Namen des Stifters eingeritzt.
Im Jahr 1991 wurde die Eberfinger Kapelle einer grundlegenden Renovierung unterzogen.

Eberfingen war lange Zeit Filialgemeinde der Pfarrgemeinde Stühlingen und gehört seit dem 01.01.2015 zur Seelsorgeeinheit „Eggingen-Stühlingen Hl. Kreuz“.
Die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul steht im Dorfzentrum. Die Kirche wurde 1836 vom Donaueschinger Baumeister Bartholomäus Weber im klassizistischen Stil („Weinbrenner-Stil“) erbaut. Im Jahr 1895, Ende der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts, in den Jahren 1997 bis 1999 und zuletzt 2013 erfuhr sie gründliche Innen- bzw. Außenrenovationen. Die alte Kirche im Dorfkern wurde nach Erbauung von „St. Peter und Paul“ zu Wohnungen umgebaut.

Bekannt waren im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Eberfinger Steinbrüche. Lange Zeit gab es zahlreiche Brunnentröge im gesamten Wutachtal, die aus diesen Steinen gehauen wurden. Die Steine wurden aber auch zum Bau des Kehrtunnels Grimmelshofen-Blumegg-Fützen und der Rheinbrücke in Koblenz (CH) verwendet.

Eberfingen war vor der Stilllegung der Wutachtalbahn Bahnstation an der Linie Waldshut – Immendingen. Am linken Ufer der Wutach führt heute die Bundesstraße 314 vorbei.

Die „wild fließende Wutach“ richtete im Lauf der Zeit in Eberfingen immer wieder beträchtliche Schäden an. Bekannt sind Hochwasserschäden aus den Jahren 1762, 1778, 1884, 1895, 1940 und 1953.

In den beiden Weltkriegen hatte Eberfingen folgende Verluste zu beklagen:
1914 – 1918:   11 Gefallene, 1 Vermisster
1939 – 1949:   14 Gefallene, 1 Vermisster

Seit dem 01.10.1974 ist Eberfingen mit seinen gut 400 Einwohnern und einer Gemarkung von 781 ha (Ortsmitte auf 454 m über NN) einer von zehn Stadtteilen der Stadt  Stühlingen.

W. Löhle

Weitere Informationen

750 Jahre Stadtrecht

Im Jahre 1262 wird Stühlingen in einer Urkunde von Graf Eberhard I. von Lupfen erstmalig als Stadt erwähnt.

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